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Orte am unteren Niederrhein:
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Wallfahrtsort und Golddorf Marienbaum
Das 1969 nach Xanten eingemeindete Dorf Marienbaum schmückt sich
gerne mit zwei verschiedenen Beinamen. Seit 1973 darf es sich
Golddorf nennen, denn in diesem Jahr gelang es den 2000
Einwohnern, beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" den
ersten Platz zu erreichen, sprich: Gold zu gewinnen. Den zweiten
Beinamen verkünden dem Anreisenden schon mehrere große Tafeln an den Ortseingängen: "Herzlich
Willkommen in Marienbaum, Wallfahrtsort seit 1430." Neben
Kevelaer und
Kranenburg zählt auch das etwa 8
Kilometer nördlich von Xanten liegende Dorf zu den bedeutenden Pilgerorten am
nördlichen Niederrhein.
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Denkmal für Maria von Burgund

Gnadenbild |
Die
lokale
Wallfahrtsgeschichte, die zudem noch erklärt, wie das kleine beschauliche Dorf zu seinem Namen gekommen
ist, lässt sich folgendermaßen kurz zusammenfassen: Um das Jahr
1430 soll ein kranker Schafhirte nach
einer Traumvision eine Marienfigur in einem Eichbaum entdeckt
haben und anschließend geheilt worden sein. Die Nachricht von der
Heilung durch die wundertätige Marienskulptur verbreitete sich
schnell. Viele Kranke suchten daher nun ebenfalls den Ort des
Wunders auf und
versprachen sich Genesung von ihren Leiden. Da der Strom der
Pilger stetig zunahm, wurde etwa 10 Jahre später
an der Fundstelle der Figur eine Kapelle errichtet. Maria
von Burgund (1394-1463), die Frau des Herzogs Adolf von Kleve,
ließ außerdem nahe der Kapelle 1460 ein Birgittenkloster gründen, das sich
um den Kult und die Pilger kümmerte. Eine lebensgroße Skulptur im
Ortszentrum erinnert heute übrigens an die Stifterin. Ab dem 18.
Jahrhundert hat die Wallfahrt nach Marienbaum schließlich etwas an Bedeutung
verloren. Die Zahl der Pilger erreicht heute aber immer noch eine
fünfstellige Zahl.
Von den Gebäuden des Klosters ist mittlerweile - abgesehen von der
Kirche St. Mariae Himmelfahrt - fast gar
nichts mehr vorhanden. In ihrer heutigen Form vereinigt die
ehemalige Kloster- und heutige Pfarrkirche im wesentlichen drei
Konstruktionsperioden. Der gotische Chor ist das älteste Bauglied
und stammt noch von oben erwähnter Kapelle aus dem Mittelalter. An
den Chor wurde Anfang des 18. Jahrhundert das dezent barock
gestaltete Langhaus angefügt. Und schließlich wurde kurz vor 1900
noch der hohe neugotische Turm errichtet. Wenn man im
tonnengewölbten, von hohen Emporen gesäumten Mittelschiff steht,
stechen je nach Blickrichtung entweder die schöne neobarocke Orgel
oder drei große Altäre besonders ins Auge. Der Altar im nördlichen
Seitenschiff beherbergt das bedeutendste Heiligtum der Kirche.
Dort ist nämlich das mittelalterliche Gnadenbild eingelassen, d. h.
die wundertätige Marienskulptur, die der Hirte gefunden hat. Eine
vereinfachte Kopie des Gnadenbildes ziert übrigens den recht hübsch gestalteten
Marienbrunnen aus dem Jahre 1990 auf dem Platz vor dem
Kirchturm.
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Marienbrunnen und Wallfahrtskirche St.
Mariae Himmelfahrt
Wer sich im besonderen Maße für die Wallfahrts-
und Klostergeschichte
interessiert, muss nur die Straße überqueren, denn unmittelbar
gegenüber der Kirche steht ein altes Backsteinhaus, in dessen
Räumen das Wallfahrtsmuseum untergebracht ist. Um die
vielen historischen liturgischen Geräte, Gewänder, Plastiken und
Bücher bewundern zu können, muss man sich allerdings vorher
telefonisch anmelden. Eine Grabsteinkopie des Reiters C. Iulius
Primus, die vor dem Museum aufgestellt wurde, erinnert daran, dass
die schriftlich fassbare Geschichte von Marienbaum und seiner
Umgebung nicht erst 1430, sondern schon mit der römischen Antike
beginnt. Der Grabstein wurde übrigens im benachbarten Kalkar gefunden.

Wallfahrtsmuseum und Grabstein des C.
Iulius Primus |
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Ein Vorgängerbau von Haus Balken, das
etwas außerhalb von Marienbaum an der Kalkarer Straße liegt, soll
auch schon vor 1430 bestanden haben. Das heutige barocke Herrenhaus
wurde jedoch erst im 18. Jahrhundert errichtet. Es befindet sich
in Privatbesitz und ist von der Straße leider nicht einsehbar. Das
ist aber nicht so tragisch, denn im Ort Dorf selber stehen
ebenfalls eine
Reihe schöner historischer Gemäuer. Dazu zählen neben den oben
schon erwähnten Gebäuden auch ein großes Jugendstilhaus aus dem
Jahre 1905 in der Uedemer Straße und der ehemalige Gasthof "Zum
weißen Pferd" aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts an der
Hauptstraße.
  
historische Wohnbebauung im Dorf
Marienbaum
Als bemerkenswert darf ferner ein schlichtes,
t-förmiges Haus mit Walmdach aus dem 18. Jahrhundert an der
Uedemer Straße gelten. Die meisten Gebäude in Marienbaum stammen
jedoch aus der Nachkriegszeit. Einen Großteil der Dorffläche
nehmen moderne Einfamilienhaussiedlungen ein.
Die unmittelbare Umgebung von Marienbaum wird land- und
forstwirtschaftlich genutzt. Das Landschaftsbild wird daher auch
von mehren, teils recht alten Bauernhofanlagen geprägt. In diesem
Zusammenhang muss man u. a. den Rosenhof aus dem Jahre 1759 und
zwei hübsche Bauernkatstellen wenige hundert Meter vor dem
südöstlichen Ortseingang unbedingt
erwähnen. Südwestlich des Dorfes schließt sich unmittelbar das
Naturschutzgebiet Uedemer Hochwald an. Hier kann man lange
Spaziergänge unternehmen. Interessant ist sicherlich auch der
Naturlehrpfad, der nahe dem Wald an der Uedemer Straße
beginnt. Informationstafeln entlang des Pfades gewähren dem
Wanderer "einen tieferen Einblick in den Naturhaushalt und die
Artenvielfalt" dieses schönen niederrheinischen Landstriches.

t-förmiges Walmdachhaus aus dem 18.
Jahrhundert und landschaftliche Umgebung des Dorfes

Rosenhof und Landschaft beim
Naturlehrpfad
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