
Rathausfassade im August 2011 |
Die massiven Luftangriffe vor dem Rheinübergang
der alliierten Truppen 1945 haben die Stadt nahezu völlig zugrunde
gerichtet: Das alte Wesel existiert mit wenigen Ausnahmen nicht
mehr. 1949 schlug mit den Wiederaufbau die Stunden der modernen
Architekten: Dementsprechend nüchtern wirkt das Stadtzentrum heute
immer noch, obwohl man sich Mühe gegeben hat und immer noch gibt, mehrere Bausünden zu
korrigieren. Der kostspielige und mit viel Aufwand betriebene
Wiederaufbau des Willibrordi-Doms wurde erst 1994 endgültig
beendet. Ab dem Jahr 2010 wird außerdem die historische
Rathausfassade an ihrem ursprünglich Platz rekonstruiert.
Die prächtige spätgotische Fassade wird sicherlich einen neuen
architektonischen Glanzpunkt neben dem Dom setzen. |

Lutherhaus in Wesel |
Wesel ist heute ein
politisches und wirtschaftliches Zentrum am unteren Niederrhein:
Seit 1975 ist der Ort am Rhein Kreisstadt eines
gleichnamigen Kreises und zählt heute zusammen mit den
eingemeindeten Orten in der Umgebung rund 65000 Einwohner. Als
besondere Sehenswürdigkeiten gelten neben dem schon
erwähnten Dom, der Zitadelle und dem Berliner Tor auch das Lutherhaus, eine ehemalige protestantische Predigtkirche aus dem
17. Jahrhundert, das Schilldenkmal, das nach Entwürfen von Karl
Friedrich Schinkel im Eisengussverfahren hergestellt wurde, und -
last but not least - der 40 Meter hohe Wasserturm aus dem Jahre
1886. |

Rokokokapelle Diersfordt

Ehrenfriedhof Diersfordt |
Weitere Sehenswürdigkeiten kann man in den anderen, ländlich
geprägten Ortsteilen entdecken:
In Ginderich auf der linksrheinischen
Seite des Gemeindegebiets von Wesel steht St. Maria Himmelfahrt, eine
schöne Wallfahrtskirche aus dem Mittelalter. Ihr gefälliger
romanischer Turm stammt aus der Zeit um 1300. Chor und Langhaus
sind rund 100 Jahre jünger und im Stile der Gotik gestaltet.
Das rund 1,5
Kilometer östlich von Ginderich gelegene Büderich, das
sich ebenfalls am linken Niederrhein befindet, wurde
1814 an einem anderen Standort neu gegründet, nachdem
Alt-Büderich durch Napoleons Truppen 1813 aus strategischen
Gründen abgerissen wurde. In
den Jahren nach 1820 entstanden hier je eine evangelische und
katholische Kirche nach Plänen des Berliner Stararchitekten
Karl Friedrich Schinkel. Außerdem sind im Ortsbild von Büderich
noch mehrere hübsche Gebäude aus der Zeit um 1900 vertreten.
Auf dem rechtsrheinischen
Gemeindegebiet befinden sich Diersfordt und Bislich.
Auch diese beiden Ortsteile von Wesel verfügen über interessante historische
Bauwerke: Diersfordt über ein Schloss und eine dazugehörige schöne
Rokokokapelle, Bislich über zwei schöne alte Kirchen. Außerdem gibt es in Bislich ein interessantes
Heimatmuseum. An die oben schon erwähnte schreckliche Zeit von
1945 erinnert unmittelbar der so genannte Ehrenfriedhof Diersfordt.
Auf einer Hinweistafel liest man: "Hier ruhen 538 Gefallene des
Zweiten Weltkrieges ... Es sind Soldaten, die in den schweren und
verlustreichen Kämpfen um den Rheinübergang bei Bislich den Tod
fanden". Eine traurige Sehenswürdigkeit, um einmal über den
Wahnsinn des Krieges nachzudenken. |