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Orte am unteren Niederrhein:

  HAFFEN UND MEHR

GEMEINDE REES  |  HAFFEN U. MEHR

Die beiden Reeser Stadt- bzw. Ortsteile Haffen und Mehr


Ortsschild mit Wappen

Die enge Bindung zwischen Haffen und Mehr zeigt sich nicht nur darin, dass sie sich gemeinsame Sport- und Karnevalsvereine teilen. Früher bildeten die zwei Dörfer sogar eine selbständige kommunale Einheit. Die Gemeinde Haffen-Mehr wurde jedoch 1975 aufgelöst. Ihre damalige Ausdehnung entspricht aber nicht der Fläche, die die beiden heutigen Orts- bzw. Stadtteile von Rees einnehmen. 8 Quadratkilometer des östlichen Gemeindegebiets von Haffen-Mehr mitsamt des Dorfes Mehrhoog wurden nämlich nicht der Stadt Rees, sondern Hamminkeln zugeschlagen. Übrig geblieben aus der Zeit vor 1975 ist auch noch das gemeinsame Ortswappen von Haffen und Mehr. In seinem oberen Abschnitt sind zwei Heilige abgebildet: Vincentius als Schutzpatron von Mehr und Lambertus als Schutzpatron von Haffen.

1446, also etwas mehr als 400 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung von Haffen, wird schließlich auch die dem Ortspatron Lambertus geweihte Dorfkirche erstmalig in einem mittelalterlichen Dokument genannt. Die späte Erwähnung lässt sich ganz einfach dadurch erklären, dass die eher kleine gotische Backsteinkirche erst im 15. Jahrhundert erbaut wurde. An ihrer äußeren Gestaltung fällt besonders auf, dass der mächtige Turm mit seinem hohen Spitzhelm das zweischiffige Langhaus noch kleiner und zierlicher wirken lässt. Das Innere der Lambertikirche besticht nicht nur durch seinen gefälligen kreuzrippengewölbten Raum und die bunten Fenster. Bemerkenswert sind auch der neugotische Altar, die teilweise freigelegten mittelalterlichen Wandmalereien und ein paar spätgotische Holzfiguren.


Lambertikirche in Haffen


Pastorat und Alte Kaplanei

Unter Denkmalschutz steht auch das nur ein paar Schritte vom Chorabschluss der Kirche entfernte katholische Pfarrhaus bzw. Pastorat aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Gebäudeform des mit roten Backsteinen verkleideten Pastorats lässt auf eine ursprüngliche bzw. vorhergehende Nutzung des Gebäudes als Wohnstallhaus schließen. Ein ehemaliges Wohnstallhaus ist auch der im Schatten des Kirchturmes errichtete Neybenhof, der in dieser Form ebenfalls auf eine rund 200 Jahre alte Geschichte zurückblicken kann. Die weiß verputzte Fassade des Vorderhauses wird durch friesähnliche Gesimse und oben abschließende Kranzgesimse optisch erheblich gegenüber der Hinterhausfassade aufgewertet. Außerdem sind die Eingangstür und die hochrechteckigen Fenster am Vorderhaus perfekt symmetrisch angeordnet. Kirche, Pfarrhaus und Neybenhof bilden zusammen mit der so genannten Alten Kaplanei, einem weiteren Bauwerk des 19. Jahrhunderts, das architektonisch historische Zentrum von Haffen. Das Dorfbild wird aber nicht nur durch die eben vorgestellten historischen Gebäude wesentlich geprägt, sondern insbesondere auch durch die hohen Hallen und Silos einer Futtermittelfabrik am östlichen Ortseingang.

Neybenhof in Haffen

Haffen zählt heute rund 1000, das unmittelbar benachbarte Mehr rund 2500 Einwohner. Die katholische Kirche in Mehr ist ebenfalls etwas größer als ihre Schwester in Haffen. Sie wurde dem Heiligen Vincentius geweiht und erstmalig urkundlich in der Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt. Das romanische Gotteshaus aus dieser Zeit besteht allerdings nicht mehr: Es wurde in den Jahrzehnten um 1450 durch das heutige gotische Bauwerk ersetzt. An das dreischiffige Langhaus schließen sich an der einen Seite ein hoher Turm, an der anderen Seite ein polygonaler Chor an. Der Turm wird außerdem noch bis in halber Höhe von einem Treppenturm begleitet. Ein neugotischer Anbau aus dem 19. Jahrhundert lehnt sich an  den Chor und an das nördliche Seitenschiff an. Nach den sehr schweren Beschädigungen an der Vincentius-Kirche durch Artilleriebeschuss im März 1945 wurden die schönen Netzgewölbe im Inneren des Gotteshauses wieder hergestellt. Nur das südliche Seitenschiff, das komplett wieder aufgebaut werden musste, erhielt lediglich eine Flachdecke. Beim Wiederaufbau musste sich auch die Fassade des südlichen Seitenschiffes mit einfacheren, d. h. nicht originalgetreuen Formen, begnügen.


Vincentius-Kirche und das 1878 erbaute Pastorat an der Kirchenrenne


Futtermittelfabrik in Haffen


Friedhof und
Turm der Vincentiuskirche in Mehr
 
Übrigens trägt noch ein weiteres Dorf am
nördlichen Niederrhein den gleichen Namen:
Mehr bei Kranenburg

Die Lange Renne ist besonders in ihrem nördlichen Abschnitt ein Ort für Camper und Angler.


Lange Woy (oben) und Roosenhofsee (unten)

Einen schönen Blick auf die Vincentiuskirche bieten sowohl der alte Friedhof unmittelbar westlich des Turmes als auch das gegenüber liegende Ufer an der so genannten Kirchenrenne, das über eine 62 Meter lange Holzbrücke erreicht werden kann. Die Kirchenrenne ist ein geschwungener, mehrere hundert Meter langer Wassergraben, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um die Reste eines Altrheinarmes handelt. Bei der in einem halben Kilometer Abstand, an der östlichen Ortsgrenze verlaufenden Langen Renne darf man auch die Reste eines alten Rheinarmes vermuten. Genauso wahrscheinlich ist aber auch die Vermutung, dass die Lange Renne einen übrig gebliebenen Abschnitt eines künstlichen Kanals darstellt, der von den Römern in der Antike angelegt wurde. Dafür sprechen u. a. die Geradlinigkeit und die konstante Breite des Gewässers. Andere kleinere Gewässer in Haffen und Mehr, wie die Lange Woy oder Pastorswoy, sind Teiche, die nach verheerenden Rheinhochwassern entstanden sind. Zu den größeren Gewässern auf dem Gebiet der beiden Dörfer zählen natürlich der Rhein selber und mehrere Baggerseen, darunter der südwestlich liegende Roosenhofsee, dessen zentrale Insel von Gänsen als Brutplatz geschätzt wird und daher zum Vogelschutzgebiet erklärt wurde.

Rhein bei Haffen und Mehr


Neogotisches Bauernhofgebäude
aus dem 19. Jahrhundert in Haffen

Das Orts- und Landschaftsbild von Haffen und Mehr wird also von den beiden Siedlungen und von vielen Gewässern unterschiedlicher Art, aber auch von landwirtschaftlichen Anbauflächen mit vereinzelten Hofstellen geprägt. Zu den vielen bemerkens- und sehenswerten Hofstellen außerhalb der beiden Ortschaften zählt beispielsweise der unter Denkmalschutz gestellte Sandenhof nahe am eben erwähnten Roosenhofsee. Oder der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaute Stoppendahlhof an der Hanenkroitstraße, der ebenfalls als kommunales Denkmal aufgelistet ist. Als Teil eines landwirtschaftlichen Betriebes dient heute auch Haus Averforth. Das 1409 erstmalig erwähnte Anwesen liegt ein paar hundert Meter östlich von Haffen und fast unmittelbar nördlich von Mehr. Der heutige  zweigeschossige Backsteinbau stammt jedoch aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Mit der Architektur der ursprünglich mittelalterlichen Wasserburg, deren Gräben noch im Boden gut erkennbar sind, hat Haus Averforth wohl nur noch wenig bis gar nichts gemeinsam, abgesehen davon, dass es an der gleichen Stelle steht.

Vor der Errichtung der evangelischen Kirche in Mehr wurden reformierte Gottesdienste u. a. auch auf Haus Averforth gefeiert. Schließlich wurde im März 1777 ein kleines Sakralgebäude für die damals so genannte "Reformierte Gemeinde Haffen und Mehr" nach gut einem Jahr Bauzeit fertig gestellt und eingeweiht. Damals fehlte der evangelischen Kirche aber noch der recht hübsche Turm, der erst 1910 an den Saal angefügt wurde. Der Innenraum besticht durch seine weißen und blauen Farbtöne und durch die Buntheit seiner rundbogigen Fenster.

ev. Kirche in Mehr

Schloss Bellinghoven

Zwischen 1631 und 1681 fanden die Gottesdienste der reformierten Gemeinde auf Schloss Bellinghoven statt. Das Schloss kann seine Ursprünge ebenfalls auf eine mittelalterliche Wasserburg zurückführen, die 1325 erstmalig in einer Urkunde erwähnt wird. 1598 wurde die Burg durch spanische, 1672 durch französische Truppen stark zerstört. Seine derzeitige architektonische Gestalt erhielt Schloss Bellinghoven im wesentlichen erst nach diesen Zerstörüngen durch einen weitgehenden Umbau im 18. Jahrhundert. Das ehemalige Herrenhaus erhebt sich immer noch auf einer von Wassergräben umgebenen rechteckigen Insel. Es besteht aus drei zweigeschossigen Gebäuden mit einem imposanten Mittelturm. Die hufeisenförmig ineinander greifenden Gebäude öffnen sich zu einem Hof, der an der anderen Seite von Mauern und zwei Ecktürmen komplett abgeschlossen wird. Das alte Gemäuer ist übrigens heute eine Einrichtung des Caritasverbandes.

Bleiben zum Schluss dieser Abhandlung über Haffen und Mehr noch drei weitere Gebäude in den beiden Dörfern übrig, die mit Text und Bildern vorgestellt werden müssen:


ehemalige Wohnstallhäuser in Mehr

  • Zuerst zwei ehemalige Wohnstallhäuser in Mehr, die - nomen est omen - aus einem Wohnhaus und einem direkt angebauten Stall bestehen (siehe die beiden Fotos oben). Sie werden auch T-Häuser genannt, da die Längsachse des Stalls im rechten Winkel auf die Längsachse des Wohnhauses trifft. Beide Gebäude sind schöne Beispiele für typische historische bäuerliche Architektur am nördlichen Niederrhein.

  • Schließlich die ehemalige Grundschule in Haffen, in deren Räumen heute das Heimatmuseum von Haffen und Mehr untergebracht ist. Wenn man sich die interessanten lokalgeschichtlichen und  volkskundlichen Ausstellungen anschauen möchte, sollte man sich vorher unbedingt über die nicht gerade häufigen Öffnungszeiten informieren.


Heimatmuseum in der ehemaligen Velthuysenschule in Haffen

Apropos Lokalgeschichte: Festgehalten werden muss noch, dass Mehr schon vor dem Jahre 1000 und somit früher als Haffen das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Und dass sich einmal sogar die große Weltgeschichte für diesen kleinen Flecken am Niederrhein interessiert hat: Im Siebenjährigen Krieg besiegte nämlich am 5. August 1758 in der so genannten Schlacht bei Mehr der braunschweigische Generalleutnant von Imhoff die französischen Truppen unter General Chevert. Genau genommen fand diese Schlacht auf dem Gebiet des heutigen Mehrhoogs statt, das im 18. Jahrhundert jedoch noch keine nennenswerte Siedlung war und damals lediglich Mehrsche Heide hieß.


Dieses von der Landwirtschaft geprägte Ortsbild von Haffen und Mehr zeigt rechts den unter Denkmalschutz stehenden Sandenhof.

 

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