niederrhein-nord.de
Home  Fotos  Email/Impressum  Links

Orte am unteren Niederrhein:

  KREFELD - UERDINGEN

STADT KREFELD  |  HÜLS  |  UERDINGEN

Uerdingen am Rhein

In den 1970er, 1980er und 1990er Jahren zählte der hier vorgestellte Krefelder Stadtteil vor allen Dingen dank seines erfolgreichen Fußballvereins FC Bayer 05 Uerdingen zu den überregional und international bekanntesten Orten am nördlichen Niederrhein. 1995 jedoch beendete die Bayer AG das Sponsoring des Fußballvereins. Er wurde danach in KFC Uerdingen 05 unbenannt, konnte nie mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen und spielt mittlerweile in den unteren Klassen. Auch das großflächige Gelände der chemischen Industrie, das unmittelbar am Rhein liegt, trägt heute nicht mehr den Namen Bayer. Nach einer Neustrukturierung des traditionsreichen Unternehmens und dem teilweisen Verkauf einzelner Sparten heißt das ehemalige Bayer-Gelände nun Chempark Krefeld-Uerdingen. An der Betreibergesellschaft des Chemparks ist die Bayer AG allerdings immer noch mehrheitlich beteiligt. Lange Rede, kurzer Sinn: An der herausragenden Stellung von Uerdingen als bedeutenden Standort der chemischen Industrie in Deutschland hat sich nichts geändert. Nur der Fußball spielt hier keine größere Rolle mehr.


die Rheinuferstraße und der Rhein

Einen guten Eindruck von der Größe des Chemparks in Uerdingen und dazu noch einen intensiven Blick auf Deutschlands berühmtesten Fluss erhält man, wenn man sich längs der Rheinuferstraße per Fuß oder Fahrrad fortbewegt. An ihrem nördlichen Ende mündet die Rheinuferstraße geradewegs in die Dorfstraße. Dort befindet sich das seit 1927 zu Uerdingen gehörende Dorf Hohenbudberg, oder besser gesagt: das, was nach der Vergrößerung des Bayer-Geländes im Laufe der Zeit davon übrig geblieben ist. Und das ist eigentlich nur noch die hübsche Kirche St. Matthias mit angrenzendem Friedhof, oder mit anderen Worten: Hohenbudberg ist heute lediglich eine Kirche ohne Dorf. Immerhin darf man sie als die älteste Gotteshaus auf dem Gebiet von Krefeld bezeichnen, weil ihr im romanischen Stil errichteter Turm noch aus dem 12. Jahrhundert stammt. Das neugotische Schiff ist dagegen ein Werk aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.


Hohenbudberg


Weinbrennerei Dujardin und Fassade eines nahen alten Industriegebäudes

An ihrem südlichen Ende trifft die Rheinuferstraße auf die alten Gebäude der Weinbrennerei Dujardin. Der hier tätige Produzent von Spirituosen hat neben dem oben erwähnten Fußballverein sicherlich auch einiges zur Bekanntheit von Uerdingen beigetragen. In der unmittelbaren Nähe der Weinbrennerei stehen übrigens noch eine Reihe weiterer interessanter Zeugnisse älterer Industriearchitektur. Man kann die Weinbrennerei als den nördlichen Grenzpunkt der Altstadt von Uerdingen bezeichnen. Die südliche Ortsgrenze zieht unübersehbar die Krefeld-Uerdinger-Brücke und die über sie führende Bundesstraße 288. Die 1936 fertig gestellte und unter Denkmalschutz stehende Zügelgurtbrücke ist nach der Haus-Knipp-Brücke in Baerl die zweitälteste noch intakte feste Überquerung über den größten Fluss am nördlichen Niederrhein.

 

Krefeld-Uerdinger-Brücke über den Rhein

7 Jahre vor Vollendung der Brücke und 674 Jahre nach der Verleihung des Stadtrechts verlor Uerdingen im Jahre 1929 seine kommunale Unabhängigkeit, indem es sich mit der Nachbarstadt Krefeld zu einer einzigen Gebietskörperschaft zusammenschloss. Die neue Großgemeinde hieß zunächst Krefeld-Uerdingen am Rhein, ab 1940 dann nur noch Krefeld. Von der zwischen 1255 und 1929 selbständigen Stadt Uerdingen künden heute noch zwei Gebäude am Marktplatz in der Altsstadt:

  • das im Stile des Barock erbaute Alte Rathaus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit einem recht prächtigen Stadtwappen über der Eingangstür, und

  • ein Ensemble aus drei identischen klassizistischen Häusern, die in den 1830er Jahren von Balthasar, Jakob und Josef Herbertz errichtet wurden und daher Herbertz- bzw Herberzhäuser heißen. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts diente das südliche Gebäude als Rathaus der Gemeinde Uerdingen. Das nördliche Gebäude wurde zeitweise als Amtsgericht genutzt.


Altes Rathaus und Herbertzhäuser am Marktplatz in Uerdingen

Ober- und Niederstraße stoßen unmittelbar parallel zur Längsachse der Herberzhäuser auf den Marktplatz. In der Oberstraße steht das im 18. Jahrhundert erbaute Stammhaus der Kaufmannsfamilie Herbertz, die auch durch eine Zuckerfabrik zu großen Wohlstand gelangt war. Schräg gegenüber säumt die Kapelle des 1403 erstmalig urkundlich erwähnten Gasthaus zum Heiligen Michael die andere Straßenseite. Ihr heutige Fassade ist jedoch nicht mehr original, sondern ein Werk des 18. Jahrhunderts. Weil in einer Nische über dem Eingang eine Nikolausstatue aufgestellt wurde, wird die ehemalige Gasthauskapelle auch Et Klöske genannt. Eine Häuserzeile hinter der Oberstraße und dem Marktplatz erhebt sich die Kirche St. Peter. Der Turm stammt noch aus dem Mittelalter, während das Kirchenschiff kurz nach 1800 in klassizistischen Formen neu errichtet wurde. Die prächtige barocke Innenausstattung fiel leider einem Brand nach einem schweren Luftangriff im Jahre 1943 zum Opfer. Beim Wiederaufbau des Gotteshauses wurde der Innenraum sehr schlicht gestaltet.


Stammhaus der Familie Herbertz, Gasthauskapelle Et Klöske und Kirche St. Peter

In der Niederstraße können u. a. zwei Gebäude gefallen:

  • Haus Neuhofs, eine 1788 errichtete barocke Hofanlage, dessen zweigeschossiges Herrenhaus von einem wuchtigen Mansarddach bekrönt wird, und

  • das 1768 erbaute Haus zum Schiffchen. Die Fassade im Erdgeschoss sticht besonders aufgrund der barocken Eingangstür und den Jugendstilfenstern ins Auge. Über der Eingangstür vor der Fensterbrüstung befindet sich das Relief eines Schiffes.

Ober- und Niederstraße bilden übrigens die von Norden nach Süden verlaufende Hauptachse und Shopping-Meile in der Altstadt von Uerdingen


südliche und östliche Fassade des Brempter Hof mit dem mittelalterlichen Torturm


Haus Neuhofs (oben) und Haus zum Schiffchen (unten)

Die wichtigste Westostachse in der Altstadt von Uerdingen verläuft über die Alte Krefelder Straße und den Marktplatz bis zum Rheintor. An die Alte Krefelder Straße grenzt auf rund 40 Meter Länge die südliche, in klassizistischer Bauart gestaltete Fassade des so genannten Brempter Hofs. Er wurde ursprünglich im 14. Jahrhundert erbaut. Aus dieser Zeit stammt allerdings nur noch ein Turm mit spitzbogiger Durchfahrt. Die anderen Gebäudeteile des Hofs wurden nach 1820 geschaffen. 250 Meter weiter östlich steht unmittelbar am Rheintor die wohl kurz nach 1700 errichtete Gaststätte Zur Krone. Eine halbreliefierte Krone schmückt die den geschwungenen Giebel abschließende Lünette. Bemerkenswert ist auch die auf einem Strebepfeiler angebrachte Statue des Heiligen Nepomuk. Der Standort ist ganz gut gewählt, denn der Brückenheilige schaut seit nun mehr als 100 Jahren direkt aufs Rheintor, das auch als Brücke für die auf einem Damm verlaufende Rheinpromenade dient.


Gasthaus Zur Krone, Rheinpromenade (oben) und das Gebäude der Casino-Gesellschaft (unten)

An der Rheinpromenade liegen das in der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Haus der elitären Casino-Gesellschaft, in dem heute ein Restaurant untergebracht ist, und die Burg Uerdingen, die zur gleichen Zeit in eine klassizistische Villa umgestaltet wurde. Zwischen beiden Gebäuden verlaufen nennenswerte Reste der im 14. Jahrhundert errichteten Stadtmauer. Am südlich an die Rheinpromenade anschließenden hübschen Wallgarten haben sich ebenfalls Reste der mittelalterlichen Stadtverteidigungsanlagen von Uerdingen erhalten. Dabei handelt es sich - nomen est omen - um einen Wall, Reste der Mauer und einen hohen Turm, den so genannten Eulenturm, der später auch als Gefängnis und Mühle genutzt wurde. Seit 1911 schmückt auch die recht imposante Mariensäule den Wallgarten. Die auf einem hohen Sockel stehende Steinskulptur ist etwas älter und wurde schon 1894 geschaffen.


Wallgarten mit Eulenturm und Mariensäule

So weit, so gut ... Wer sich noch tiefgehender mit der Geschichte und den Sehenswürdigkeiten des heute 18000 Einwohner zählenden Ortes Uerdingen beschäftigen möchte, dem sei schließlich noch die Website des lokalen Heimatbundes empfohlen: http://www.uerdinger-heimatbund.de

 

STADT KREFELD  |  HÜLS  |  UERDINGEN

 

 nach oben zum Seitenanfang