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Orte am unteren Niederrhein:

  KREFELD - HÜLS

STADT KREFELD  |  HÜLS

Hüls und Umgebung

In der flachen und weitläufigen Landschaft des Niederrhein darf man sicherlich mit Ausnahme von nicht renaturierten Müll- und Schuttbergen auch die kleinsten und unscheinbarsten Hügel als lokale Sehenswürdigkeiten bezeichnen. Zu den größeren und besonders sehenswerten Hügeln zählt u. a. der Hülser Berg. Er erhebt sich rund 2 Kilometer östlich vom Ortszentrum des hier vorgestellten Krefelder Stadtteils rund 40 Meter über die Ebene der Umgebung.

Der Hülser Berg bildet übrigens den sichtbaren südlichen Beginn des während der Saale-Kaltzeit entstandenen Niederrheinischen Höhenzugs, der sich westlich des Rheins von Krefeld über die Sonsbecker Schweiz bis nach Nijmegen zieht. Der in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hülser Berg liegende und etwas höhere Inrather Berg ist dagegen keine Stauchmoräne und noch nicht einmal natürlichen Ursprungs, sondern eine renaturierte ehemalige Bauschuttdeponie.


Aussichtsturm und Relieftafel am Junkersdenkmal auf dem Hülser Berg

Als Naherholungsgebiet erfreut sich der dicht bewaldete Hülser Berg schon seit mindestens 150 Jahren einer gewissen Beliebtheit. 1886 kaufte Johannes Junkers, der Gründer des Krefelder Wanderbundes, ein großes Gelände auf dem Hügel und ließ darauf 1887 einen eisernen Aussichtsturm errichten. Der heutige 30 Meter hohe Aussichtsturm, der zu Ehren von Junkers immer noch Johannesturm genannt wird, stammt aus den 1970er Jahren.

Unmittelbar südlich an den Hülser Berg schließt sich eine Landschaft an, die im Laufe der Jahrtausende aus der Verebnung von Teilen des Hügels entstanden ist. Sie wird Hülser Bruch genannt, weil es sich früher um ein ausgeprägt nasses und sumpfiges Waldgebiet handelte. Heute sind immer noch Teile des ursprünglichen Bruchwaldes und mehrere Feuchtwiesen und somit ein einzigartiger Lebensraum für Flora und Fauna vorhanden. Daher wurde im Jahre 2002 der Hülser Bruch zusammen mit den Hülser Berg zurecht als Naturschutzgebiet ausgewiesen.


Cyriakuskirche

Vom Johannesturm kann man weite Teile des Niederhein überblicken und natürlich auch den Turm der Cyriakuskirche in Hüls entdecken. Die dreischiffige neugotische Backsteinhallenkirche mit Querhaus wurde 1870 nach fünfjähriger Bauzeit fertig gestellt. Ihre prächtige ursprüngliche Innenausstattung und -ausmalung sind weitgehend erhalten und ein Fest für die Augen. Der fast 70 Meter hohe, mit einem Spitzhelm und 4 Ecktürmchen bekrönte Turm der Cyriakuskirche prägt wesentlich das Erscheinungsbild des kleinen schmalrechteckigen Marktplatzes in Hüls, der auch von weiteren bemerkenswerten Gebäuden gesäumt wird. Darunter befinden sich


Schultheißenhaus und Gasthof Zur Rose

  • das so genannte Schultheißenhaus, das man laut den Ankerzahlen auf seiner backsteinsichtigen Fassade auf das Jahr 1667 datieren kann. Der geschwungene und mit einer Lünette abschließende Giebel lässt noch eindeutig die damals typische Bauform der Renaissance erkennen.

  • der Gasthof Zur Rose, ein traufenständiges Gebäude mit geöffneten Arkaden im Untergeschoss, das noch im 16. Jahrhundert auf einen vorhandenen älteren Keller gebaut wurde. Die heutige Fassadenverkleidung und -gestaltung ist dagegen wohl ein Werk des 19. Jahrhunderts.

  • das Hülser Rathaus. Der weiß geschlämmte Bau wurde um 1850 als Hotel errichtet und dient erst seit 1949 als kommunales Verwaltungsgebäude. Bis 1970 war Hüls übrigens eine selbständige Gemeinde und wurde dann zuerst nach Kempen, 1975 schließlich nach Krefeld eingegliedert.


Hülser Rathaus

 

Hülser Bruch


Hülser Klausur und Chor der Konventskirche St. Cäcilia

Nur ein paar Schritte vom Marktplatz entfernt grenzt unmittelbar nördlich an die Cyriakuskirche die so genannte Hülser Klausur, oder genauer gesagt: das Gelände und die Gebäude des 1398 gegründeten und 1802 aufgelösten Klosters von der Verkündigung Mariens. Die weiß geschlämmten, teils in Fachwerk ausgeführten Bauten, die aus unterschiedlichen Zeiten des Konvents stammen, bilden ein überaus sehenswertes architektonisches Ensemble mit gepflegten Vorgärten. Im Gegensatz zu den Fassaden sind alle Innenräume allerdings nicht mehr historisch, sondern modern umgebaut. Sie dienen heute auschließlich zu Wohnzwecken und befinden sich in Privatbesitz. Daran sollte man beim Betreten der Hülser Klausur unbedingt denken und sich dementsprechend angemessen und ruhig verhalten. Die Kirche des anderen in Hüls während des Späten Mittelalters gegründeten Klosters, die Konventskirche St. Cäcilia, ist dagegen kein Wohngebäude, sondern immer noch eine sakrale Andachtsstätte, in der gelegentlich Gottesdienste gefeiert werden. Der turmlose, von einem kleinen Dachreiter gekrönte Sakralbau wurde kurz nach 1460 errichtet. Die architektonische Gestalt der Konventskirche hat sich aber im Laufe der Zeit infolge von Wiederaufbaumaßnahmen nach verheerenden Bränden immer wieder etwas verändert. Im Innenraum der Klosterkirche ist besonders die barocke Nonnenempore aus dem 18. Jahrhundert sehenswert.

Ruine der Hülser Burg

Die Hülser Heimatstuben befinden befinden sich in einem zweigeschossigen verputzten Gebäude aus der Zeit um 1850 direkt neben dem Chor der Konventskirche St. Cäcilia. Sie bieten mit ihren volks- und ortskundlichen Sammlungen einen umfangreichen Einblick in die lokale Geschichte, Kultur und Tradition. Apropos Geschichte: Die erste urkundliche Ortserwähnung fällt übrigens in das Jahr 1112. Von Hüls als einer bedeutenden Siedlung kann man aber sicherlich erst ab dem Anfang des 15. Jahrhunderts sprechen, unmittelbar nachdem die beiden schon erwähnten Klöster gegründet worden waren. In der Mitte dieses Jahrhunderts entstand auch die Hülser Burg, deren sehenswerte Ruinen mitsamt Wassergraben heute noch erhalten sind. Bei der im Jahre 1144 erstmalig erwähnten Burg handelt es sich um einen Vorgängerbau. Von ihr sind keine sichtbaren Spuren mehr vorhanden.


ein um 1600 erbautes Fachwerkhaus, die ehemalige Vikarie und das Pastorat in Hüls

Dieser Artikel über Hüls würde übrigens eine unerträgliche Länge annehmen, wenn hier alle bemerkenswerte Gebäude im historischen Ortskern besprochen bzw. aufgezählt werden. Daher seien nur noch 4 weitere herausragende Beispiele genannt:

  • das Fachwerkhaus Klever Straße 8, das um 1600 errichtet wurde. Die Fassadeninschrift 1744 bezieht sich auf eine spätere durchgreifende Renovierung,

  • die aus dem 17. Jahrhundert stammende ehemalige Vikarie, ein ebenfalls teilweise in Fachwerktechnik ausgeführter Bau mit geschwungenen Giebel und seitlichem Anbau (Kübbung),

  • das Pastorat, ein zweigeschossiges, fünfachsiges Gebäude mit Mansarddach vermutlich aus dem 18. Jahrhundert, und

  • der mehr als 100 Jahre alte Wasserturm, der auch oft als architektonisches Wahrzeichen von Hüls bezeichnet wird.


Wasserturm in Hüls, Portalturm des Schloss Gastendonk und Hofanlage in Orbroich

Die von der Stadt Krefeld ausgewiesene Einwohnerzahl für Hüls erreicht fast die 16000er Marke. In diesem statistischen Wert sind auch die Bewohner der benachbarten Bauernschaft bzw. Kleinstsiedlung Orbroich erfasst. Das Ortsbild von Orbroich wird im wesentlichen von Äckern, Feldern, Weiden und größerenteils recht alten Hofanlagen geprägt. Architektonischer Höhepunkt des Dorfes ist jedoch das von einem Wassergraben umgebene Schloss Gastendonk, das sein heutiges Aussehen hauptsächlich dem 17. und 18. Jahrhundert verdankt. Es besteht aus einem kleineren, zweigeschossigen Herrenhaus und einer größeren dreiflügeligen Vorburg mit Portalturm und zwei Ecktürmen. Das Gelände wird heute als private Wohnanlage genutzt.


Blick auf Hüls vom Aussichtsturm: Links kann man den Wasserturm, rechts die Cyriakuskirche erkennen.
 

 

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