Das Dorf Niel
Unübersehbar im Dorf Niel bei Kranenburg sind
die vielen, auf kleinen Anhöhen errichteten
alten Gebäude. Diese künstlich aufgeschütteten Erhebungen, die man
auch Warften bzw. Pölle nennt,
wurden ursprünglich zum Zwecke des Hochwasserschutzes angelegt.
Schließlich ist der launische Rhein nicht besonders weit entfernt.
Heute wird der mächtige Fluss aber weitgehend durch massive Deiche
gebändigt. Wenn man von Warften bzw. Pölle redet, denkt man in
erster Linie wohl an die Halligen in der Nordsee, aber es gibt sie
darüber hinaus in großer Zahl auch im gesamten nordwestdeutschen Raum
bis zum Niederrhein und ebenfalls
in den Niederlanden.

Die Geschichte von Niel ist also eng mit dem
Rhein und seinen Hochwassern verbunden, ansonsten jedoch eher bedeutungslos.
Nichtsdestotrotz lässt sie sich mit mittelalterlichen
Dokumenten bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen. Und wenn man
noch den Spaten zu Hilfe nimmt und tief genug gräbt, trifft man
sicherlich auch noch auf römische und fränkische Spuren. Damals
zur Zeit der Antike lag die Gegend um das heutige Dorf am
nördlichen Rand der römischen Provinz Niedergermanien (Germania
inferior).


Die Pfarrkirche St. Bonifatius ist das älteste
und imposanteste Gebäude im 200-Einwohner-Ort Niel. Sie wurde
auch auf einem Poll errichtet und ist von einem Friedhof und hochragenden
Bäumen umgeben. Dass ihre erhöhte Lage nicht immer vor den
Gefahren des Rheinhochwassers schützte, kann man an einer
Seitenwand des Kirchenportals ablesen (siehe Foto links): Dort sind
nämlich Hochwasserstände aus den letzten 200 Jahren eingemeißelt.
Sie zeigen, dass die Kirche mehrmals meterhoch überflutet wurde.
Nun aber ein paar Worte zur Architektur des Gotteshauses: In ihrer heutigen Gestalt
stammt St. Bonifatius wohl
aus dem 15. Jahrhundert. Allerdings verweisen Reste eines
romanischen Vorgängerbaus im unteren Teil des Turmes auf eine
bedeutend ältere Baugeschichte. Die sehenswerte Kirche gliedert
sich in einen hohen Westturm mit Spitzhelm, einer anschließenden
zweischiffigen Halle und einen 1617 angefügten mehrseitigen
Ostchor. Im Kircheninneren fallen neben den typischen Merkmalen
eindrucksvoller gotischer Bauweise besonders der Taufstein aus dem
13. Jahrhundert und der schöne Altar aus dem Jahre 1898 auf.

Das recht lockere
Ortsbild von Niel wird neben der Kirche von einigen anderen alten
Gebäuden und Bauernhöfen und von ein paar modernen
Einfamilienhäusern geprägt. Große Einkaufsgelegenheiten gibt es
im Dorf übrigens nicht: Man muss schon entweder nach Kranenburg, Kleve oder
Nijmegen fahren, um sein Geld unter die Leute zu bringen.
 
Die unmittelbare Umgebung von Niel ist kaum
bebaut. Hier und da trifft man auf einen Bauernhof. Ansonsten kann
man aber nur über flache Landschaften aus Feldern, Wiesen, Weiden
und vereinzelten Bäumen und Büschen blicken. Eine ideale Gegend
für jeden, der gerne wandert oder mit dem Rad fährt und dabei Ruhe
genießen möchte. Wer bei einem solchen Ausflug auch den Rhein sehen will, muss eine
Strecke von 5 Kilometern in nördliche Richtung zurücklegen.
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