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  KERKEN

EINFÜHRUNG

Kerken am Niederrhein

Eine Gemeinde mit der Bezeichnung Kerken besteht am unteren Niederrhein erst seit der kommunalen Neugliederung im Jahre 1969, als die Ortschaften Aldekerk, Nieukerk, Eyll und Stenden verwaltungstechnisch zu einer größeren Einheit zusammengefasst wurden. Der neue Gemeindenamen wurde dabei aus den Endsilben der beiden Hauptorte Aldekerk und Nieukerk hergeleitet. Ein größeres Gebilde ist beim Zusammenschluss aber nicht wirklich entstanden: Kerken zählt heute gerade einmal 13000 Einwohner und bleibt im Prinzip eine Ansammlung von Dörfern in der beschaulichen niederrheinischen Landschaft. Ackerbau bzw. Agrikultur spielen wie in alten Zeiten weiterhin eine unübersehbar bedeutende Rolle.

Weberdenkmal mit Brunnenehemalige Seidenweberei in Kerken
Weberdenkmal und ehemalige Seidenweberei

Die Tuch- und Seidenweberei, die ab dem 18. Jahrhundert rund 200 Jahre lang in Aldekerk und Nieukerk intensiv betrieben wurde, ist dagegen vollständig von der Bildfläche verschwunden. An das einst wichtige lokale Gewerbe erinnern jedoch in Nieukerk immer noch das große Gebäude der ehemaligen Seidenweberei und das bronzene Weberdenkmal am Webermarkt.

Gemeindearchiv in Nieukerk in einem Gebäude von 1738   Klassizistisches Haus am Webermarkt
barockes und klassizistisches Gebäude am Webermarkt

Den Webermarkt, den man wohl als den zentralen Platz in Nieukerk bezeichnen kann, säumen eine Reihe recht ansprechender historischer Gebäude. Darunter befinden sich ein klassizistisches Haus aus dem Jahre 1804 und ein barockes Gebäude von 1738, in dem heute das Gemeindearchiv untergebracht ist. In unmittelbarer Nähe zum Webermarkt stehen außerdem noch viele weitere sehenswerte alte Gemäuer:

  • das Michael-Buyx-Haus aus dem 17. und 18. Jahrhundert,

  • das 1716 erbaute Haus Paeschens mit geschwungenem Giebel,

  • das Rathaus mit Bauteilen aus den Jahren 1714 und 1911, und

  • viele weitere, mehr als einhundert Jahre alte Gebäude.

Michael-Buyx-HausHaus Paeschens in Kerken
Michael-Buyx-Haus und Haus Paeschens

Der recht interessante architektonische Baubestand in Nieukerk wird durch die Dionysiuskirche, das älteste im Ort erhaltene Gebäude, abgerundet. Als nova ecclesia (lateinisch für neue Kirche) wurde sie erstmalig urkundlich 1226 erwähnt. Ursprünglich wurde sie um 1200 als romanische Kirche errichtet. Was wir allerdings heute vor uns sehen, ist größtenteils ein gotischer Neubau bzw. Umbau aus der Zeit um 1420. Die barocke Kirchturmhaube stammt aus dem späten 17. Jahrhundert, die interessante neugotische Innenausstattung aus dem 19. Jahrhundert. Sicherlich muss man nicht erwähnen, dass Nieukerk letztendlich nach dieser schönen Kirche benannt ist.

Dasselbe gilt auch für Aldekerk und die dortige Pfarrkirche St. Peter und Paul. Obgleich ihre Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen, ist der heutige Bau im wesentlichen ein Werk aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1888 und 1890 wurde der neugotischen Kirche schließlich der 63 Meter hohe, weithin sichtbare Turm angefügt. Bemerkenswert ist ebenfalls die aus der Umbauzeit stammende einheitliche Ausstattung des Kircheninneren im neugotischen Stil. Zu den sehenswerten Sakralbauten in Aldekerk am Niederrhein zählt auch die Klosterkirche St. Maria Magdalena, die im späten Mittelalter errichtet und danach mehrfach umgebaut wurde. Der Backsteinsaalbau mit Dachreiter und dreiseitigem Chorabschluss befindet sich ebenfalls im kleinen, aber feinen historischen Ortszentrum.

Kirche St. Dionysius in Nieukerk
Kirche St. Dionysius
in Nieukerk

Kirche St. Peter und Paul in Aldekerk
Kirche St. Peter und Paul
in Aldekerk

Klosterkirche St. Maria Magdalena in Kerken-Aldekerk
Klosterkirche St. Maria Magdalena

Rathaus der Gemeinde Kerken
Turmstumpf einer Windmühle aus den Jahren um 1760 in Nieukerk
Kerken-Nieukerk am Niederrhein
Aldekerk
Wegekapelle bei Rahm

Hofansicht der Heimatstube Giebelhaus aus dem Jahre 1647 Giebelhaus aus dem Jahre 1711 in Kerken-Aldekerk Ansicht von St. Peter und Paul aus der Ferne
Heimatstube und weitere historische Gebäude in Aldekerk; Ansicht von St. Peter und Paul aus der Ferne

Wie in Nieukerk haben sich nämlich auch in Aldekerk die historischen Dorfstrukturen im Ortskern noch gut erhalten. Man trifft auf eine Vielzahl jahrhundertealter Gebäude, die teilweise sogar in Fachwerktechnik errichtet sind. Keines dieser gefälligen Häuser ist allerdings vor 1642 entstanden, als ein großer Brand Aldekerk in Schutt und Asche legte. Das Fachwerkhaus in der Hochstraße 70 aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gilt sogar als ein hervorragendes Beispiel für die damalige Architektur am gesamten Niederrhein. Das historische Gebäude wird heute übrigens als Heimatstube von Kerken genutzt.

Pfarrkirche St. Thomas in Stenden am NiederrheinTurmwindmühle in Kerken-Stenden
St. Thomas und Turmwindmühle in Stenden

Südöstlich von Aldekerk liegen die Dörfer Stenden und Rahm, die zusammen den Kerkener Ortsteil Stenden bilden. Beide Orte sind so genannte Straßendörfer, in denen die ursprüngliche Bebauung fast ausschließlich an einer einzigen langen und nahezu geraden Straße verläuft. Stenden ist mit seiner Ausdehnung von rund 10 Kilometern sogar das längste Straßendorf am Niederrhein. Durch die Erschließung und Ausführung von Neubaugebieten ist allerdings eine reine Straßendorfstruktur mittlerweile in beiden Ortschaften nicht mehr ausschließlich vorhanden. Unbedingt sehenswert in Stenden sind ebenfalls die um 1900 erbaute kreuzförmige Pfarrkirche St. Thomas mit Vierungsturm, eine Turmwindmühle aus dem 18. Jahrhundert, mehrere alte Bauernhöfe und ein paar andere Wohngebäude aus längst vergangenen Tagen.

Bauernhof in Stenden
alter Bauernhof in Kerken-Stenden

Antoniuskapelle in Rahm Kerken-Rahm
Antoniuskapelle und Wohngebäude eines Bauernhofes in Rahm

Wenn man im benachbarten Dorf Rahm die Hülser Straße entlang fährt, kann man mühelos erkennen, dass auch dieses Dorf wie Stenden ursprünglich nur eine Ansammlung bzw. Aneinanderreihung von Bauernhöfen war. Zu diesen Höfen gesellte sich früher wie heute noch eine kleines Gotteshaus, und zwar die einschiffige Antoniuskapelle mit Dachreiter und dreiseitigem Chorabschluss. Sie wurde 1768 errichtet. Die schöne Innenausstattung stammt ebenfalls im wesentlichen aus der Erbauungszeit.

Bauernhof in Eyllhistorisches Wohngebäude in EyllHubertuskapelle in Kerken-Eyll
alte Gebäude und Hubertuskapelle in Eyll

Eyll und Winternam sind zwei weitere Dörfer auf dem Gebiet der Gemeinde Kerken. Sie weisen im wesentlichen die gleichen Strukturen wie Stenden und Rahm auf: Auch diese beiden Orte sind Straßendörfer bäuerlichen Ursprungs. Das Dorf Eyll könnte man sogar als die nordwestliche Verlängerung von Stenden bis nach Nieukerk bezeichnen. Dann gäbe es am Niederrhein sogar ein 15 Kilometer langes Straßendorf. Die vielen alten Bauernhöfe in Eyll, zu denen sich heute noch mehrere einfache Wohnneubauten gesellen, werden von der typischen Landschaft des Niederrhein, d. h. von weitflächigen Feldern, Weiden und Waldgebieten, umgeben. Blickfänge im Dorf sind neben den Bauernhäusern und der angrenzenden reizvollen Natur auch die Antoniuskapelle von 1753 und die die Hubertuskapelle von 2007. Eine Sehenswürdigkeit, aber kein Blickfang ist dagegen Haus Palings, ein dreiflügeliges ehemaliges Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert. Es befindet sich nämlich in Privatbesitz und kann von der Straße bedauerlicherweise nicht eingesehen werden.

Landschaft bei EyllBauernhof in Winternam
Kerken: Landschaft bei Eyll und Bauernhof in Winternam

Bleiben zum Schluss die noch kleineren Siedlungen bzw. Kuhdörfer Winternam, Baersdonk und Poelyck. Hier zeigen sich Kerken und der Niederrhein mit Sicherheit von ihren beschaulichsten Seiten. Wer absolute Ruhe im Urlaub sucht, der ist hier gewiss an der richtigen Stelle. Stress, Hektik und Lärm kommen in diesen Dörfern bzw. Bauernschaften nur dann vielleicht auf, wenn die lokalen Bruderschaften gerade Feste veranstalten oder die Kuh Else kalbt. Lange Rede, kurzer Sinn: Die fast ausschließlich land- und forstwirtschaftlich genutzte und äußerst dünn besiedelte Gegend um und in Winternam, Baersdonk und Poelyck lädt geradezu zu entspannenden Wanderungen und Radfahrten ein. Und einen architektonischen Glanzpunkt hält diese nahezu verlassene Gegend auch bereit: Haus Bellinghoven-Baersdonk, ein zweiflügeliges eingeschossiges Herrenhaus, das im 17. Jahrhundert errichtet wurde.

Haus Bellinghoven-BaersdonkKerken-Poelyck
Haus Bellinghoven-Baersdonk und Bauernhof in Poelyck

Nützliche Links:

http://www.kerken.de   http://www.heimatverein-nieukerk.de   http://www.heimatverein-aldekerk.de  

 

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