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  KERKEN - ALDEKERK

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Das Dorf Aldekerk

Der Name des 3000-Einwohner-Dorfes Aldekerk bedeutet alte Kirche. Der Name des Nachbardorfes Nieukerk bedeutet neue Kirche. Man dürfte also vermuten, dass die Dionysiuskirche in Nieukerk jünger ist als St. Peter und Paul in Aldekerk. Ist sie aber nicht! Die ursprüngliche Entstehungszeit der beiden gotischen Gotteshäuser fällt nämlich ungefähr zeitgleich ins fortgeschrittene Späte Mittelalter. Die Namensgebung für beide Dörfer muss sich also auf Vorgängerbauten der heutigen Kirchen und andere, heute nicht mehr ganz eindeutig aufklärbare Umstände beziehen. Wie dem auch sei: Eine ecclesia antiqua (= alte Kirche) in Aldekerk wird 1218 erstmalig urkundlich bezeugt. Damit beginnt auch die dokumentarisch fassbare Geschichte des Dorfes. Manche verlegen ihren Anfang schon ins 11. Jahrhundert, aber die 1067 erwähnte ecclesia in gelre lässt sich nicht zweifelsfrei einem bestimmten Platz bzw. Bauwerk zuordnen.


Kirche St. Peter und Paul in Aldekerk

Ihr heutiges äußeres Erscheinungsbild verdankt die Aldekerker Kirche St. Peter und Paul größtenteils erheblichen Umbauten und Erweiterungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie fanden zwischen 1888 und 1890 durch die Verlängerung des dreischiffigen Langhauses um ein Joch und durch die Errichtung des dreigeschossigen, 63 Meter hohen Turmes ihren Abschluss. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde auch die Innenausstattung und -ausmalung in neugotischen Stil erneuert. Dazu zählen u. a. drei schöne, aus Holz geschnitzte Altarschreine. Kanzel und Chorgestühl stammen jedoch noch aus dem 17. Jahrhundert. Der Taufstein ist sogar noch älter.


Klosterkirche St. Maria Magdalena und Martinsdenkmal

Im Ortszentrum von Aldekerk steht noch ein weiterer sehenswerter historischer Sakralbau, der ursprünglich von Franziskanerinnen des 3. Ordens genutzt wurde: die ehemalige Klosterkirche St. Maria Magdalena. Das turmlose Gotteshaus aus Backsteinen mit Spitzbogenfenster, Strebepfeilern, dreiseitigem Chorabschluss und Dachreiter wurde in seiner heutigen Gestalt wohl im 17. Jahrhundert errichtet. Urkundlich belegt ist die Geschichte des Aldekerker Tertianerinnenklosters aber schon seit den 1460er Jahren. Zwischen den Strebepfeilern der Klosterkirche befindet sich seit 2011 ein hübsches bronzenes Martinsdenkmal, das zum 125. Jubiläum der Martinszüge in Aldekerk aufgestellt wurde. Ebenso sehenswert ist die Gruppenskulptur des in den 1920er Jahren geschaffene Kriegerdenkmals, die auf einem hohen Sockel vor dem Turm der Peter-und-Pauls-Kirche thront.


Haus Cuypers und Haus Thoeren an der Marktstraße

St. Peter und Paul und die Klosterkirche liegen rund 200 Meter voneinander entfernt. Zwischen ihnen erstreckt sich die Marktstraße, die von den bemerkenswerten Fassaden zweier um 1900 errichteter Gebäude gesäumt wird. Am Haus Cuypers fallen besonders der recht imposante Girlandenfries des Traufgesims, die mit einer Balustrade verkleidete Fensterbrüstung oberhalb der Türe und die teilweise als Diamantquader ausgeformten Putzquader auf. Am Haus Thoeren sticht besonders die Fassadenverkleidung an der abgeschrägten Ecke ins Auge: Eingangstür und Zwerchhaus werden von prächtigen Ädikulen gerahmt. Das dazwischen befindliche Fenster im Obergeschoss lässt sich von Hermenpilastern flankieren. Lange Rede, kurzer Sinn: Beide Gebäude sind schöne Beispiele eines Baustils, den man Historismus nennt.



 

Fachwerkhäuser mit Kübbung in der Hochstraße: Vorder- und Rückseite der Heimatstube und Haus Bruyers

Die meisten alten Baudenkmäler in Aldekerk säumen die Hochstraße. Zwei hübsche Fachwerkhäuser aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erwecken sicherlich besondere Aufmerksamkeit, da ihre Fassade und ihr Krüppelwalmdach durch einen seitlichen Anbau, die so genannte Kübbung, eine bemerkenswerte asymmetrische Gestalt erhalten. Das Gebäude mit den verputzten Ausfachungen heißt Haus Bruyers. Das Gebäude mit den ziegelsteinsichtigen Ausfachungen beherbergt heute die Heimatstube.
Erwähnt werden müssen unbedingt auch noch zwei recht stattliche Backsteinbauten, die in der gleichen Straße im 18. Jahrhundert errichtet wurden: das Wohngebäude des zweigeschossigen, mit einem Walmdach gedeckten Roosenhofs und der ehemalige Gasthof Zur Post, der aus einer Aneinanderreihung eines ein- und eines zweigeschossigen Hauses besteht. Auf einer Informationstafel an der Fassade kann man erfahren, dass dieses Gebäudeensemble vor seiner Nutzung als Gasthaus von 1764 bis 1880 als königlich-preußische Post- und Pferdewechselstation und bis 1908 als Kutschstation diente.


Rosenhof, ehemaliger Gasthof zur Post und Gebäude mit Jugendstilfassade in der Hochstraße in Aldekerk

Weitere alte, bis 1914 entstandene Gebäude an anderen Plätzen, z. B. die so genannte Brennerei Gerritzen in der Rheinstraße und das Wohnhaus Horten in der Klosterstraße, tragen ebenfalls wesentlich dazu bei, dass der Ortskern von Aldekerk ein beachtliches historisches Antlitz bewahrt hat. Mit Ausnahme der Kirchen ist übrigens keines der heutigen Gebäude in Aldekerk vor 1642 entstanden, weil in diesem Jahr ein verheerender Brand das Dorf nahezu komplett in Schutt und Asche legte. Andererseits wurde der kleine Ort am Niederrhein von großen Zerstörungen während der Weltkriege im 20. Jahrhundert nicht betroffen. Gleichwohl hat sich das Ortsbild von Aldekerk seitdem durch Infrastrukturmaßnahmen, Bebauungsverdichtung, Modernisierungen, Neubauten und Errichtung neuer Wohngebiete nicht unerheblich verändert.


die laut Ankerzahl 1685 entstandene Brennerei Gerritzen und Haus Horten vom Anfang des 20. Jahrhunderts (oben),
das 1647 datierte Haus Machers, der so genannte Kleine Markt mit Brunnen und das Aldekerker Amtswappen (unten)

An der Stelle, an der Hoch- und Marktstraße aufeinander treffen, steht Haus Machers. Gemäß der Inschrift unter dem Schlussstein des Giebels wurde es 1647, also 5 Jahre nach dem verheerenden Brand, erbaut. Mehr oder weniger original ist aber nur noch die straßenseitige Fassade. Mit seiner Längs- bzw. Traufenseite grenzt Haus Machers an einen Platz, der Marktplatz bzw. Kleiner Markt genannt wird. Im Zentrum dieses Platzes befindet sich ein achteckiger Brunnen. Eine Relieftafel über dem Wasserspeier zeigt ein halbfiguriges Portrait von Johann Wilhelm Alsters, Aldekerker Bürgermeister von 1822 bis zu seinem Tod 1853. Damals war das Dorf noch eine eigenständige Gemeinde und bildete zusammen mit dem benachbarten Stenden das Amt Aldekerk. Auf dem Wappen des Amts wird Aldekerk durch einen sich mit einem Schwert kreuzenden Schlüssel, d. h. durch die Attribute seiner beiden Pfarrpatrone Peter und Paul, dargestellt. 1969 verloren Aldekerk und Stenden ihre Selbständigkeit und wurden Ortsteile der neu geschaffenen Gemeinde Kerken.

 

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