niederrhein-nord.de
Home  Fotos  Email/Impressum  Links

Orte am unteren Niederrhein:

  EMMERICH - ELTEN

GEMEINDE EMMERICH  |  DORNICK  |  ELTEN  |  HÜTHUM und BORGHEES

Elten am Niederrhein

Das 5000-Einwohner-Grenzdorf Elten, das fast vollständig von den Niederlanden umschlossen wird und wie eine Landspitze in das Nachbarterritorium hinreicht, gliedert sich in die beiden Ortsbereiche Nieder- und Hochelten. Nomen est omen: Hochelten wurde auf einer etwa 60 Meter hohen Stauchendmoräne angelegt, während Niederelten sich am Fuße dieses Hügels befindet, den man übrigens Eltenberg nennt. Beide Ortsteile sind durch die sanft ansteigende Lindenallee miteinander verbunden.


St. Vitus: heutiges Erscheinungsbild und Zustand der romanischen Kirche bis 1585
(ein weiterer sehenswerter romanischer Sakralbau am nördlichen Niederrhein
befindet sich übrigens in dem Dorf Wissel bei Kalkar)

Eine Burg aus dem 9. Jahrhundert auf dem Eltenberg steht am Anfang der Ortsgeschichte, die sich somit bis ins späte Frühmittelalter zurückverfolgen lässt. Für das Jahr 944 lässt sich sogar nachweisen, dass der ostfränkische König Otto I. den heute nicht mehr vorhandenen Festungsbau in Hochelten besucht hat. 967 wurde in der Burg ein Stift für Damen des Hochadels eingerichtet. Unmittelbar nach der Stiftsgründung begann man sofort mit der Errichtung einer größeren Kirche, die dem Heiligen Vitus geweiht wurde. Zwischen 1100 und 1150 ersetzte man diesen Bau durch eine dreischiffige romanische Basilika, die sich aus einem mächtigen Westturm, einem vierjochigen Langhaus, einem Querschiff mit Vierungsturm und einem quadratischen Chor mit Apsisabschluss zusammensetzte (siehe Bild oben rechts). 1585 wurden die Kirche und die Stiftsgebäude während des Spanisch-Niederländischen Krieges schwer beschädigt. Beim erneuten Aufbau wurden nur die drei westlichen Langhausjoche und der Turm wieder hergestellt und an das nun verkürzte Langhaus eine Chorapsis in gotischen Formen angefügt. In dieser Gestalt hat sich die romanische Stiftskirche St. Vitus in Elten bis heute weitgehend erhalten. Aufgrund ihres Alters und ihrer zwar torsohaften, aber dennoch herausragenden Architektur gehört sie zweifellos zu den kulturhistorisch bedeutendsten Gebäuden am gesamten Niederrhein. Von den anderen Gebäuden des 1811 aufgelösten Stifts steht noch ein Äbtissinnenwohnhaus aus dem Jahre 1667 an Ort und Stelle. Baureste eines weiteren Stiftsgebäudes haben sich in einem benachbarten Bauwerk erhalten.

 
Äbtissinnenwohnhaus und Drususbrunnen

Nahe der Kirche fällt auch ein kleines Bruchsteingemäuer aus dem Jahre 1843 auf, das die Aufschrift Drususbrunnen über seinem Eingang trägt. Der von diesem Gebäude eingeschlossene 57 Meter tiefe Brunnenschacht wurde allerdings nicht zur Zeit des Augustus und seines Stiefsohnes angelegt, sondern erst 900 Jahre später, um oben erwähnte Burg mit Trinkwasser zu versorgen.

Dass Hochelten bzw. der Eltenberg ein herrlicher Aussichtspunkt auf die tiefer liegende Umgebung ist, darauf verweist unweit der Kirche auch eine moderne Skulptur, die aus zwei 6,8 Meter hohen, im geringen Abstand nebeneinander aufgestellten Granitsteinen besteht. Der Bildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann hat seinem Kunstwerk den Namen Stein Tor verliehen, weil es den Blick auf die Rheinebene freigibt bzw. öffnet. Die Blickachse durch die beiden hohen Granitsteine ist übrigens nicht zufällig gewählt, sondern richtet sich genau auf den Barockgarten am Springenberg bei Kleve aus, dessen Fluchtlinie seinerseits auf den Eltenberg mit der Vituskirche zeigt.

 
Stein Tor in Elten und
Barockgarten in Kleve
(Der Pfeil deutet den Standort
der Vituskirche auf dem
Eltenberg an.)

Bei dieser Aussicht vom Eltenberg in Richtung Emmerich kann man rechts die Rheinbrücke erkennen.


Gerritzens Mühle wurde 1846
in Niederelten errichtet.

Niederelten am Fuße des Hügels wird als Handwerkersiedlung etwa zeitgleich mit dem Damenstift entstanden sein. Stadtrechte hat der Ort trotz seiner relativ großen wirtschaftlichen Bedeutung als Handelsplatz in der Vergangenheit nie erhalten. Vielmehr standen die Einwohner lange Zeit unter der Oberaufsicht der jeweiligen Stiftsäbtissin. Eine gewisse Selbständigkeit des Orts spiegelt sich jedoch in einem Dokument vom Anfang des 14. Jahrhundert, in welchem Niederelten eine eigene Pfarrei zugebilligt wurde. Den Mittelpunkt dieser Pfarrei bildete die Kirche St. Martinus, die schließlich in den Jahren um 1450 durch den heutigen recht imposanten dreischiffigen gotischen Bau ersetzt wurde. Im Gegensatz zum eben erwähnten katholischen Gotteshaus wirkt die 1907 erbaute evangelische Kirche viel bescheidener. Das einschiffige Sakralgebäude ist unmittelbar mit dem Pfarrhaus verbunden, einem fünfachsigen klassizistischen Bau, dessen Errichtung wohl in die Zeit um 1800 fällt. Über der rechten Fensterachse dieses Gebäudes, das erst 1857 von der Gemeinde erworben wurde, befindet sich heute ein Glockenträger mit einer offenen Laterne. Um es kurz zu sagen: Diese Kombination von Pfarrhaus und Kirche ist eine ziemlich merkwürdige Konstruktion und deshalb unbedingt sehenswert.


katholische Martinuskirche (links und in der Mitte) und evangelische Kirche mit Pfarrhaus (rechts)

Abgesehen von den Sakralbauten verschönern auch viele andere gepflegte alte Gebäude das Ortsbild von Niederelten. Die Lobither Straße säumen z. B. zwei bemerkenswerte Neorenaissancehäuser aus der wilhelminischen Epoche, deren Fassade auch Jugendstilornamentik aufweist. Ebenso zählen ein 1734 im barocken Stil errichtetes Bürgerhaus am Marktplatz und ein klassizistisches Gebäude aus dem Jahre 1786 in der Klosterstraße zu den besonders interessanten architektonischen Sehenswürdigkeiten von Elten. Die gerade genannten Jahreszahlen kann auch direkt an Ort und Stelle auf kleinen informativen Hinweisschildern erfahren, die übrigens an allen lokalhistorisch bedeutenden Bauwerken angebracht sind.


Fassade mit Jugendstilelementen in der Lobither Straße, Barockgebäude am Marktplatz und ein klassizistisches Gebäude aus dem Jahre 1786

Daher erweist es sich auch nicht als besonders schwierig, ein recht imposantes, 1891 im Neorenaissancestil errichtetes Gebäude am Marktplatz als das ehemalige Rathaus von Elten zu identifizieren. Auf dem Hinweisschild  erfährt man außerdem, dass Elten nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 60iger Jahre unter niederländischer Auftragsverwaltung stand. Erst nach einem Staatsvertrag wurde der Ort 1963 wieder an Deutschland zurückgegeben. Gleichwohl könnte man heute aufgrund der vielen niederländischen Autokennzeichen im Ortsbild fast glauben, dass dies nicht geschehen sei. Nach 1963 war das Rathaus noch bis zur Eingemeindung nach Emmerich 1974 Sitz der örtlichen Verwaltung.



ehemaliges Rathaus, Bauernhof nahe dem Ortszentrum und Gut Klein Voorthuysen

Seinen ländlichen Charakter hat der Ort bis heute beibehalten. Davon zeugt z. B. einerseits ein Bauernhofgebäude aus dem Jahre 1870 in der Sonderwykstraße ein paar Schritte vom Dorfzentrum entfernt. Andererseits muss man nur den Eltenberg besteigen, um das unmittelbare ländliche Umfeld mit seinen Wäldern, Weiden, Wiesen und Feldern in seiner ganzen Weite zu erblicken. Am ortsabgewandten südlichen Fuße dieses Hügels befinden sich nahe beieinander zwei weitere bemerkenswerte Gemäuer aus längst vergangenen Zeiten: Haus Alt-Voorthuysen, dessen bekanntester Bewohner der Maler Bernd Terhorst war, und Gut Klein Voorthuysen mit einem turmgeschmückten Herrenhaus aus dem Jahre 1846. Nicht nur an diesem überaus malerischen Plätzchen in Elten mit seiner herrlichen Landschaft kann man feststellen, dass das Dorf den Titel "staatlich anerkannter Erholungsort" zurecht trägt.


Landschaft bei Gut Klein Voorthuysen

 

GEMEINDE EMMERICH  |  DORNICK  |  ELTEN  |  HÜTHUM und BORGHEES

 

 nach oben zum Seitenanfang