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  DUISBURG - RUHRORT

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Geschichte und Sehenswürdigkeiten von Ruhrort

Nomen est omen: Der Duisburger Stadtteil Ruhrort liegt tatsächlich an der Ruhr. Hier trifft der 200 Kilometer lange Fluss, der im Rothaargebirge entspringt und einer bekannten Industrieregion seinen Namen leiht, nahezu im rechten Winkel auf den Rhein. Ruhrort wird daher sowohl im Westen als auch im Süden von Wasser umspült. Zu den beiden Flüssen gesellen sich noch mehrere Hafenkanäle bzw. -becken, die mehr oder weniger parallel zur Ruhr verlaufen. Sie bilden mit ein paar weiteren Anlagen in den benachbarten Stadtteilen den größten Binnenhafen Europas und werden Duisburg-Ruhrorter Häfen genannt.


Ruhrorter Hafenanlagen

Der so genannte Vinckekanal grenzt unmittelbar südlich an die Altstadt von Ruhrort. An seiner Promenade sind mehrere Binnenschifffahrtsexponate ausgestellt, darunter Anker, Schiffsschrauben und ein Dampfkran aus dem Jahre 1897. Ein weiteres Exponat dieses Freilichtmuseums am Vinckekanal ist die Oscar Huber, ein Seitenrad-Schleppdampfer vom Anfang der 1920iger Jahre, der bis 1966 in Betrieb war.

  
ein Dampfkran und die Oscar Huber am Vinckekanal

Das imposante alte Schiff ist eine Außenstelle des Museum der Deutschen Binnenschifffahrt, das ursprünglich zwischen 1979 und 1997 im ehemaligen Ruhrorter Rathaus am Vinckekanal beheimatet war. Der stattliche historistische Bau stammt übrigens vom Ende des 19. Jahrhunderts. Danach zog das Museum an seinen heutigen Standort: Nun ist es in einem ehemaligen Hallenbad aus den Jahren um 1910 etwas außerhalb des Ortszentrums in der Apostelstraße untergebracht. Den Besucher erwartet eine umfangreiche Präsentation der Schifffahrtsgeschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart mit vielen detailgetreuen Modellen und unzähligen weiteren Ausstellungsstücken.


Altes Rathaus und Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in einem ehemaligen Hallenbad

Ein weiteres interessantes Museum ist das Hanielmuseum. Es befindet sich im Stammhaus der Firma Haniel, dem ältesten noch vorhandenen Gebäude Ruhrorts aus dem Jahre 1756. Die Ausstellungsräume mit insgesamt rund 4000 Exponaten widmen sich u. a. der Lokal- und Firmengeschichte, der Industrialisierung des Ruhrgebiets und der Binnenschifffahrt. Eine Besichtigung des Museum ist nur über vorherige telefonische Anmeldung möglich.


Hanielmuseum

In unmittelbarer Nähe liegt auch das Hauptverwaltungsgebäude der Firma Haniel. Der prächtige Bau, der 1921/22 in stolzen neobarocken Formen errichtet wurde, lässt eindeutig erkennen, dass Haniel sich seit langem als das wichtigste lokale Unternehmen bezeichnen darf. Das auffälligste optische Wahrzeichen des Handels- und Industriestandorts Ruhrort ist sicherlich das Kraftwerk Hermann Wenzel vom Anfang der 50iger Jahre.


Haniel-Hauptverwaltungsgebäude und Kraftwerk Hermann Wenzel

Die Geschichte von Ruhrort setzt aber nicht erst mit dem Industriezeitalter ein, sondern reicht bis ins Mittelalter zurück. 1379 wird der Ortsname im Zusammenhang mit einem Schloss bzw. Kastell erstmalig urkundlich erwähnt. Dieses Schloss diente zur Sicherung einer kurz zuvor an der Ruhrmündung in den Rhein eingerichteten Zollstätte. Zur gleichen Zeit muss auch eine schon etwas größere Siedlung entstanden sein, die allerdings erst seit 1551 als Stadt bezeichnet wurde. Rund 500 Einwohner zählte man damals. Heute sind es 5000. Schon seit dem Mittelalter war Ruhrort ein Schifffahrtsplatz. Ab dem 18. Jahrhundert begann man allmählich mit der Anlage und dem Ausbau eines größeren Hafens. Er entwickelte sich zu einem wichtigen Umschlagsplatz von Kohle, Metallwaren, Holz und anderen Waren. Zeitgleich entstanden Fabriken, Handelshäuser und Speditionen. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts trugen Hütten- und Stahlwerke sowie der Kohlebergbau in der unmittelbaren Umgebung dazu bei, dass der Umschlagsplatz Ruhrort weiter an Bedeutung gewann. 1905 endete mit der Eingemeindung nach Duisburg die Selbständigkeit der Hafenstadt. Obgleich die Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs und der Abrisswahn in den 60iger Jahren recht große Wunden in das historische Ortsbild von Ruhrort geschlagen haben, hat sich trotzdem noch recht viel sehenswerte Bausubstanz aus alten Zeiten erhalten.

     
Gebäude aus der Zeit um 1900: Wohngebäude, Amtsgericht, Schulen in der Carp- und Karlstraße

Zu den prächtigen öffentlichen Bauwerken zählen neben dem oben schon erwähnten alten Rathaus auch das Amtsgericht und zwei Schulgebäude in der Carp- und Karlstraße. Alle genannten Gebäude wurde im Stile eines monumentalen Historismus Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und veranschaulichen immer noch den Stolz der damals eigenständigen Stadt Ruhrort. Zwei expressionistische Backsteinbauwerke aus den 1920iger Jahre sind ebenfalls ortsbildprägend: das so genannte Tausendfensterhaus und das ehemalige Schifferkinderheim, das früher ein von der katholischen Kirche betreutes Internat für schulpflichtige Binnenschifferkinder war.


Tausendfensterhaus, Schifferkinderheim und Fabrikstraße mit Blick auf die katholische Kirche

Einen schönen Blick auf den Turm der katholischen Kirche bietet die Fabrikstraße mit ihrer lückenlosen Reihe zweigeschossiger Häuser vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Kirche, die dem Heiligen Maximilian geweiht ist, wurde zwischen 1845 und 1847 erbaut und 20 Jahre später umfangreich erweitert. Von der evangelischen Jakobuskirche, die ungefähr zur gleichen Zeit ebenfalls an der Fabrikstraße errichtet wurde, steht heute nur noch der Turm. Nur ein paar Schritte entfernt hat sich das ehemalige Evangelische Gemeindehaus erhalten. Der neoromanische Prachtbau des frühen 20. Jahrhunderts ist mit einer reich dekorierten und aufwändig gegliederten Fassade geschmückt. Über der Freitreppe zum Haupteingang erhebt sich breiter, mit einem Runderker verzierter Turm.

     
Turm der evangelischen Kirche, ehemaliges Gemeindehaus, Hochbunker und Rheinbrückentürme

Ein turmartiges Aussehen weist auch der Hochbunker aus dem Jahre 1942 auf dem Neumarkt auf. Die vielen Fenster sind allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingefügt worden. Die beiden hohen Rheinbrückentürme, die wie ein erhabener repräsentativer Stadteingang wirken, sind Überreste der 1907 fertig gestellten Straßenbrücke zwischen Ruhrort und Homberg. Die heutige Hängebrücke über den Rhein ist jedoch ein Neubau vom Anfang der 50iger Jahre. Als ein Original aus dem Jahre 1907 hat sich dagegen eine nahe liegende Anschlussbrücke erhalten. Sie überspannt mit einem ästhetisch gelungenen Bogentragwerk den Eisenbahnhafen. Ebenfalls historisch, aber ein Recyclingprodukt ist die Karl-Lehr-Brücke über die Ruhr zum Ortsteil Kasslerfeld. Sie wurde 1949 aus Teilstücken der kriegszerstörten Kölner Hohenzollernbrücke errichtet.

 
Brücke über den Eisenbahnhafen und Karl-Lehr-Brücke über die Ruhr (oben),
Blick auf Ruhrort (unten)

 

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