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  DUISBURG - ALT-WALSUM

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Alt-Walsum und das Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum

831 Jahre nach der ersten Erwähnung in einem mittelalterlichen Dokument, 70 Jahre nach der Gewährung kommunaler Selbständigkeit und 17 Jahre nach der Erhebung zur Stadt wurde das am östlichen Rheinufer liegende Walsum schließlich nach Duisburg eingemeindet. Die gemeinsame kommunale Geschichte beider Orte ist also noch nicht besonders alt und beginnt erst im Jahre 1975. Immerhin hat aber schon ein im Walsumer Ortsteil Wehofen geborener CDU-Politiker von 2004 bis 2012 das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Duisburg bekleidet. Im folgenden wird jedoch nicht der komplette Stadtbezirk Walsum mit seinen insgesamt sechs Ortsteilen, sondern lediglich das Gebiet zwischen dem Rhein und der Römerstraße einerseits, zwischen der Papierfabrik und der nördlichen Gemeindegrenze andererseits vorgestellt. Dieser rund zwei Kilometer breite und rund vier Kilometer lange Landstreifen umfasst den Stadtteil Alt-Walsum und das westlich angrenzende Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum.


neugotische Pfarrkirche St. Dionysius, Wappen von Walsum und Dionysiusskulptur

Aus dem Mittelalter, geschweige denn aus der Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1144, hat sich kein Gebäude in Alt-Walsum erhalten. Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Pfarrkirche wurde 1880 abgerissen und unmittelbar danach durch einen recht hübschen neugotischen Bau ersetzt. Dass die dreischiffige Basilika mit Querhaus und mehrseitigem Chor am Ende des 2. Weltkrieges erheblich zerstört wurde, kann man besonders an dem mit einem Spitzhelm gekrönten Turm noch deutlich an der unterschiedlichen Beschaffenheit der Backsteine in den oberen und unteren Geschossen erkennen. Die Bruchlinie verläuft ungefähr in Höhe der Turmuhr. Oberhalb des Kirchenportals befindet sich eine steinerne Skulptur des Heiligen Dionysius, dem das Gotteshaus geweiht ist. Er ist auch auf dem Ortswappen abgebildet. Die Darstellung auf dem Wappen spielt allerdings auf das Martyrium bzw. die Enthauptung des Heiligen an. Aufgrund seiner Hinrichtungsart wird er übrigens gerne wegen Kopfschmerzen angerufen.


Wacholderbrennerei

Die Skulptur des Schutzheiligen oberhalb des Kirchenportals könnte ihre sorgenvollen Blicke direkt auf ein altes Wirtshaus auf der anderen Seite der Kaiserstraße richten, wenn sie imstande wäre, ihren Kopf etwas nach rechts zu drehen. Dort steht nämlich die Gaststätte bzw. Wacholderbrennerei Claus. Der zweigliedrige backsteinverblendete Baukomplex besteht aus einem traufständigen zweigeschossigen Gast- und Wohnhaus, an das sich nahtlos ein giebelständiges eingeschossiges Brennereigebäude mit Schornstein anschließt. Seine Fassade trägt die folgenden Inschriften: "erbaut 1715" und "erneuert 1891 + 1951". Die Brennereieinrichtung aus dem Jahre 1951, mit der nicht nur Wacholder-, sondern auch Kornschnäpse hergestellt wurden, ist in einem guten Zustand erhalten. Ein anderer lokaler, seit 1905 in Walsum tätiger Getränkehersteller, der heute unter dem Namen RheinfelsQuellen H. Hövelmann GmbH & Co. KG firmiert, dürfte aber wohl bedeutend bekannter sein. Der Rohstoff für die beliebten Mineralwässer des Unternehmens wird übrigens direkt aus dem Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum bezogen.


Bauernhof aus dem Jahre 1846 an der Kaiserstraße

Die eben erwähnte Gaststätte bzw. Wacholderbrennerei Claus bildet übrigens zusammen mit der gegenüber liegenden Dionysiuskirche den historischen Ortsmittelpunkt von Alt-Walsum. Nördlich dieses architektonischen Duos aus Kirche und Kneipe lassen sich entlang der Kaiserstraße noch ebenfalls gut die ländlichen vorindustriellen Siedlungsstrukturen erkennen. Dort an der alten Dorfstraße sind nämlich noch mehrere durchaus sehenswerte alte Hofanlagen und Häuser aus dem 19. Jahrhundert vorhanden, zu denen sich allerdings besonders nach dem 2. Weltkrieg recht viele moderne Bauwerke gesellt haben. Südlich von Kirche und Brennerei kann man noch die Gaststätte Walsumer Hof zur ursprünglichen Ortsbebauung zählen. Die Fassade des an der Rheinstraße liegenden Gebäudes wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Stile des Historismus mit 3 überaus prächtigen Dachgauben erneuert.


Walsumer Hof


Hagelkreuz an der Kaiserstraße


Nilgans im
Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum


Nordhafen und Hubbrücke Walsum

Kaiser- und Rheinstraße, die früher eine zusammenhängende Dorfstraße bildeten, werden seit den 1930iger Jahren durch ein langes und schmales Hafenbecken, den so genannten Nordhafen Walsum, voneinander getrennt. Zur gleichen Zeit wurde der in rund 100 Meter Abstand parallel zur Dorfstraße verlaufende Abschnitt der Königstraße zum Zwecke eines Brückenschlages angelegt. Die Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt konnte auf zweierlei Weise gesteigert werden: Einerseits verläuft die Fahrbahn der Königstraße an dieser Stelle auf hohen Deichen. Andererseits entschied man sich für den Bau einer Hubbrücke. Unter diesen Bedingungen konnte der Nordhafen sogar bei Hochwasser von den in der Regel eher niedrigen Rheinfrachtschiffen angefahren werden. Die am Ende des Zweiten Weltkrieg zerstörte Hubbrücke wurde 1950 durch einen Neukonstruktion gleicher Bauart ersetzt, die als ein Zeugnis der frühen Nachkriegsindustriekultur unbedingt erhaltenswert ist. Man kann die Hubbrücke sicherlich auch als eines der architektonischen Wahrzeichen von Walsum bezeichnen.

Fahrbahn und Portale der HubbrückeHubbrückendetailHubbrücke und Kraftwerk
Hubbrücke und Kraftwerk

Der Nordhafen entstand übrigens als Verladestelle für Kohle und Bergematerial im Zusammenhang mit der Errichtung der Zeche Walsum, die von 1939 bis 2008 das so genannte schwarze Gold aus rund 1000 Meter Tiefe förderte. Ein Teil der geförderten Kohle wurde direkt im unmittelbar angrenzenden Kraftwerk verstromt, das im Gegensatz zur Zeche noch heute betrieben wird und im Laufe der Zeit kontinuierlich vergrößert und erweitert wurde. An die still gelegte Zeche erinnert heute u. a. noch das unter Denkmalschutz gestellte, 70 Meter hohe Fördergerüst des Franz-Lenze-Schachtes.


Kraftwerk am Rhein und Fördergerüst des Franz-Lenze-Schachtes (oben),
Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum (unten)

Nördlich des Nordhafens, der still gelegten Zeche und des Kraftwerks breitet sich zwischen Deutschlands berühmtesten Fluss und der Kaiserstraße auf rund 500 Hektar Fläche das wunderbare Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum aus. Die dort vorhandenen Stillgewässer und feuchten Wiesen, die durch unterschiedliche Gehölzvegetationen und -strukturen bereichert und gegliedert werden, üben nicht nur für die Augen der Menschen eine besondere Anziehungskraft aus. Sie dienen auch als Brutplatz für über 100 Vogelarten, als ideale Überwinterungsstätte für arktische Gänse, als Laichgewässer für verschiedene Amphibienarten und als Lebensraum für seltene und gefährdete Pflanzenarten. Zurecht ist diese herrliche auentypische Landschaft am Rhein zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Das andere Rheinufer kann man übrigens mittels einer Autofähre von Walsum erreichen. Dort liegt der ebenfalls sehenswerte Ort Orsoy.


NSG Rheinaue Walsum

 

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